Kinderkleidung ohne Schadstoffe: So finden Sie die richtigen Hersteller

Anders als bei Kosmetik- oder Nahrungsmitteln steht auf dem Etikett eines Kleidungsstücks nicht, welche Substanzen in der Faser stecken. Bei der Herstellung von Textilien werden viele chemische Substanzen eingesetzt, bevor sie im Kleiderschrank landen. Darunter sind etliche Substanzen, die selbst in kleinsten Mengen die Umwelt und die Gesundheit schädigen.
Auch wenn die meisten Stoffe keine unmittelbare Bedrohung für Ihr Kind darstellen, der Herstellungsprozess ist häufig ein massives Problem für die Umwelt und die Arbeiter, die mit den Substanzen in Berührung kommen. Vor allem die kostbare Ressource Wasser wird mit den giftigen Stoffen aus den Textilfabriken verschmutzt.

Man mag meinen, das sei vor allem ein Problem für die Herstellungsländer, doch die Schadstoffe aus der Textilproduktion aus China, Bangladesh, Indonesien oder Mexiko verteilen sich weltweit durch Gewässerkreisläufe und Luftströme. Über Nahrung, Luft und Trinkwasser gelangen sie auch in den menschlichen Organismus in unseren Breiten.​

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die schädlichsten Stoffe vor, auf die sie bei Kinderkleidung achten sollten und liefern Ihnen eine Liste von Marken, die eine schadstofffreie bzw. -reduzierte Produktion von Kinderkleidung garantieren.​

Welche Schadstoffe befinden sich in Kinderkleidung?​

Im Rahmen seiner Detox Kampagne hat Greenpeace 11 Schadstoffgruppen für Textilien definiert, die es es gilt abzuschaffen. Davon ist auch Kinderkleidung betroffen. Greenpeace untersucht dabei den gesamten Produktionszyklus und nicht nur das, was am Ende in den Fasern der Textilien steckt. Problematisch sind unter anderem folgende Substanzen:

Alkylphenole
werden in der Textilproduktion zum Beispiel beim Waschen während des Färbens eingesetzt. Im Wasser spalten sich die Alkylphenole ab und sind hormonell wirksam.

Azofarbstoffe
können Substanzen abspalten, die im Verdacht stehen, bei Hautkontakt Krebs auszulösen. Laut EU-Gesetzgebung dürfen sie nicht mehr für Textilien verwendet werden, die direkt auf der Haut getragen werden.​

Bromierte Flammschutzmittel
dienen zum Brandschutz und werden auch in Textilien eingesetzt. Sie sind hormonell wirksam und können Wachstum und Entwicklung der Geschlechtsorgane schädigen.

Phtlalate
Die Weichmacher werden in der Textilindustrie vor allem in Plastisol oder Druckfarben genutzt. Bei Mensch und Tieren sind sie hormonell wirksam. Nach dem EU-Chemikalienrecht sind seit 2015 bereits ein Reihe von Phthalaten verboten​.

Formaldehyd
wird häufig bei Kinderbekleidung eingesetzt, um Aufdrucke elastisch und lang haftend zu machen. Enthält ein Kleidungsstück mehr als 0,15 Prozent freies Formaldehyd, muss es entsprechend gekennzeichnet werden: „Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen, das Kleidungsstück zur besseren Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen.“

PFC (Per- und polyfluorierte Chemikalien)
machen Textil- und Lederprodukte wasser- und schmutzabweisend. Daher sind sie vor allem in Outdoor-Kleidung weit verbreitet. Sie reichern sich im menschlichen Gewebe und im Blut an, können die Leberfunktion schädigen und das körpereigene Hormonsystem beeinflussen.​

​Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Kupfer stecken in Farbstoffen. Sie können sich im Körper anreichern und Organe sowie das Nervensystem schädigen.

Organozinnverbindungen
werden in der Textilindustrie in Socken, Schuhen und Sportbekleidung eingesetzt, um die Geruchsbildung zu verhindern. Auch hierfür gelten strenge Grenzwerte in der EU.​

Weltweit gibt es über 400 Substanzen, die in der Textilindustrie eingesetzt werden und schädlich für Mensch und Natur sind. Im "Roadmap To Zero" Programm haben sich weltweit namhafte Textilhersteller verpflichtet, diese Stoffe aus ihren Produktionsprozessen zu eliminieren. Eine komplette Auflistung finden Sie hier: Download PDF​

Welche Siegel garantieren schadstofffreie Kinderkleidung?​

​Im Rahmen der Greenpeace Detox Kampagne haben sich selbst große Marken wie H&M oder Adidas, aber auch Discounter wie Aldi dazu verpflichtet, bis 2020 giftfrei zu produzieren.

​Schaut man sich das Etikett eines Kleidungsstücks an, dann erhält man lediglich Information zu Faserart, Waschanleitung und dem Produktionsort. Mit welchen Chemikalien die Faser in Berührung kam und welche Schadstoffe bei der Weiterverarbeitung und Veredelung eingesetzt wurden, bleibt unbekannt.

Wer bereits heute Kinderkleidung ohne Schadstoffe sucht, muss auf die Textil-Siegel vertrauen.
Die Textilsiegel klären darüber auf, welche Standards bei der Herstellung der Textilien eingehalten werden. Aber die Anforderungen der einzelnen Siegel sind unterschiedlich.

Greenpeace hat die Standards der Siegel in Bezug auf ihr Schadstoff-Management untersucht. Am saubersten kommen dabei IVN Best sowie GOTS weg. Bei der Analyse wurden auch die Schwächen, des populären Ökotex 100 Siegels aufgezeigt.

​IVN Best (IVN)

vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN).

Dieses Siegel ist das momentan strengste Siegel auf dem Markt. Es betrachtet die gesamte Produktionskette vom Anbau der Fasern bis zum Kleidungsstück. Die Chemikalien-Grenzwerte orientieren sich an denen des GOTS, verbieten aber zusätzlich Substanzen, die bei GOTS erlaubt sind.
IVN Best zertifiziert lediglich Naturfasern, die aus 100 Prozent kontrolliert biologischem Anbau stammen, Regeneratfasern und Synthetikfasern können nicht das IVN Best Label tragen.​

Global Organic Textile Standard (GOTS)​

Bei GOTS können auch Textilien aus Regeneratfasern zertifiziert werden. Regeneratfasern sind Fasern, die über einen chemischen Prozess aus einem Naturstoff hergestellt werden, wie z.B. Viskose, die aus Cellulose hergestellt wird.

Beim GOTS dürfen den Naturfasern maximal 30 Prozent künstliche Fasern beigemischt werden. Auch GOTS zertifiziert die gesamte textile Produktionskette vom Anbau bis zum fertigen Textil. Dabei werden die einzelnen Verarbeitungsstufen unabhängig zertifiziert. Das Chemikalienmanagement ist ähnlich streng wie bei dem IVN Best Standard.​

Bluesign​

Bluesign ist vor allem ein Siegel für Sport und Outdoor-Bekleidung, einem Markt bei dem es ohne Chemiefasern bisher nicht geht.

Auch Bluesign betrachtet die gesamte Produktionskette und beginnt bei der Chemiefabrik, die die Kunstfaser herstellt. Der Standard definiert neben der umfangreichsten Negativliste schädlicher Chemikalien, auch eine Positivliste. Bekannte Marken wie Schöffel, Columbia, 3M Thinsulate, The North Face, Patagonia, Vaude sowie Adidas oder Nike verwenden diesen Standard.

Ökotex 100​

Ökotex 100 ist der am weitesten verbreitete Standard. Im Gegensatz zu den oben genannten Siegel untersucht er nicht die gesamte Wertschöpfungskette sondern lediglich das Endprodukt. Das heisst es wird lediglich geprüft, ob Schadstoffrückstände im Textil enthalten sind, nicht wie viele Schadstoffe bei der Produktion in die chinesischen Flüsse geleitet werden.

Bei Kinderkleidung ist es daher ein Siegel, das anzeigt, ob mein Kind durch das Kleidungsstück Schadstoffen ausgesetzt wird, nicht wie umweltverträglich es produziert wurde.
Damit ist Ökotex 100 eher ein Verbraucherschutz Siegel, als ein Umweltsiegel.​

​Kinderkleidung Marken ohne Schadstoffe

Wir stellen Ihnen hier eine Liste von Kinder- und Babybekleidungsmarken zusammen, die den GOTS oder IVN Best Standard erfüllen:

  • Loud & Proud (GOTS)
    Bodys, Shirts, Jacken, Hosen, Strampler, made in Germany.
  • Hess Natur (GOTS)
    Textilien aus Biobaumwolle für Neugeborene und Babies sowie für Mode für Kids bis Größe 128.
  • disana (IVN Best, GOTS)
    Textilien für Babies und Kleinkinder, Mode für Kinder bis Größe 140 sowie Heimtextilien.
  • Hirsch Natur (IVN Best, GOTS)
    Kindersocken aus Naturfasern.
  • Pickapooh (IVN Best) Mützen.
  • Picosleep (IVN Best) Baby-Schlafsäcke.
  • Engel Natur (IVN Best)
    Bodys, Leggings, Schlupfhemdchen und Unterhemden aus Biobaumwolle sowie Wolle und Seide.
  • Lana Organics (GOTS)
    Kinder und Babymode aus Bio Baumwolle und Bio Wolle.
  • Grödo (GOTS)
    Strumpfhosen und Socken aus Naturfasern.
  • Pure Pure (GOTS)
    zertifizierte Hüte & Mützen aus 100% Naturfasern, fair und nachhaltig in Europa produziert.
  • Lebenskleidung (GOTS)
    Kinder T-Shirts, Sweaters, Jumpsuits, Baby Bodies und -Shirts.
  • Macarons (GOTS)
    Baby, Kinder, Jungen und Mädchen Mode aus Stuttgart.
  • Pat & Patty (GOTS)
    Plüschkleidung, Shirts, Leggings aus 100 % Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau.
  • People Wear Organic (GOTS)
    ehemals Alnatura Naturtextil, Baby und Kinderbekleidung bis Größe 140.
  • Reiff Strickmoden (IVN)
    Wickelprodukte, Babytextilien sowie Kindermode aus Merinowolle, Seide und Baumwolle.
  • Hocosa of Switzerland (IVN, GOTS)
    Baby Bodies, Kinderunterwäsche.

Quelle: Greenpeace - Textillabel unter der Detox Lupe, Juni 2016
Foto: CCO Public Domain.​

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